Verschwindet Bernhard Lichtenbergs Grab aus der Mitte Berlins?

Pressemitteilung der Initiative "Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale"

Verfasser: Prof. Dr. Hans Joachim Meyer


In einer Pressemitteilung haben die "Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale" Fragen und Anmerkungen zur Diskussion gestellt, die sich anlässlich der Verlegung des Grabes des Seligen Bernhard Lichtenberg ergeben, die die Bistumleitung mit dem Radikalumbau begründet, der keine liturgischen und baulichen Gründe hatProf. Dr. Hans Joachim Meyer nimmt Stellung und weist auf Widersprüche hin, die auch in diesem Punkt die Umbauabsichten der Leitung des Erzbistums Berlin fragwürdig erscheinen lassen.

Aktualisierung: Die Umbettung an die Peripherie der Stadt fand inzwischen statt – eine Rückführung des Grabes zur Stätte des Wirkens des Seligen –zum mahnenden Gedenken im Herzen Berlins – ist mehr als ungewiss.

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Verschwindet Bernhard Lichtenbergs Grab aus Berlins Mitte?
Pressemitteilung der Initiative – verfasst von Prof. Dr. Hans Joachim Meyer
Verschwindet Bernhard Lichtenbergs Grab
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Diese Mitteilung wurde im Wortlaut zitiert von dem  Webmagazin "Christliches Forum(s. Link)



Pressemitteilung vom 02.11.2018

 

Verschwindet Bernhard Lichtenbergs Grab aus der Mitte Berlins?

– Verfasser: Prof. Dr. Hans Joachim Meyer –

 

Da die eindrucksvolle Gestaltung des Innenraums der St. Hedwigs Kathedrale zerstört wird (fälschlich als „Sanierung“ bezeichnet), musste für den bisher in der Unterkirche bestatteten Bernhard Lichtenberg, jedenfalls vorläufig, eine andere Ruhestätte gefunden werden. Dafür ist die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum unstreitig ein würdiger Ort. Allerdings liegt diese Kirche, weil sie die Erinnerung an eine geschichtliche Stelle des von der national-sozialistischen Diktatur begangenen Unrechts wachhalten soll, nicht im Zentrum Berlins, sondern am Rande der Stadt, dort also, wo früher ein Gefängnis war.

Wo soll der mutige und aufrechte Glaubenszeuge künftig seine letzte Ruhe finden? In einer schwer zugänglichen Krypta, die an die Stelle der bisher den Kirchenraum mitprägenden und zu Gebet und Betrachtung einladenden Unterkirche treten soll? Oder in dem künftigen von radikalem Reduktionismus bestimmten Innenraum der Kathedrale, der kein Zeichen der Erinnerung an Vergangenes kennt?

Das ist keine Frage der Ästhetik, sondern der gegenwärtigen Wirkung von Vergangenheit.

Bisher war das öffentlich präsente Grab Bernhard Lichtenbergs in der Unterkirche eine mahnende Erinnerung an Widerstand gegen Unrecht und Verfolgung – mitten im Herzen Berlins und damit im Zentrum der deutschen Öffentlichkeit. Wo ist also sein künftiger Ort?

Es ist leider bezeichnend, dass die Brisanz dieser Frage den Entscheidungsträgern des Erzbistums Berlin und den Unterstützern des Umbaus offenbar nicht klar ist. Das Wichtigste war und ist vielmehr, die originelle Leistung Hans Schwipperts, die ein einzigartiges Denkmal der liturgischen Erneuerung in Deutschland ist, zum Verschwinden zu bringen. Ja, die Einzigartigkeit dieses Werkes wurde ihm zum Verhängnis. Was haben die denn da in Ostberlin gebaut? Abwegige liturgische Argumente wurden konstruiert, um den radikalen Umbau zu rechtfertigen. Von der spannungsvollen Vorgeschichte der Neugestaltung des Innenraums durch Hans Schwippert unter der Verantwortung der Bischöfe Weskamm, Döpfner und Bengsch wusste man nichts und wollte man wohl auch nichts wissen. Aus dem einzigen gesamtdeutschen Bauprojekt in der Zeit der Spaltung mit Künstlern aus Ost und West wurde eine „DDR-Katholiken-Gedenkkirche", die man nicht mehr brauche. Die vom Ordinariat angeordnete und die Konzeption Hans Schwipperts verunstaltende Aufstellung der Kirchenbänke in Reih‘ und Glied wurde in einer Predigt als Ausdruck der Spaltung charakterisiert, die man nun beseitigen müsse.

Wo ist also die künftige Grabstätte Bernhard Lichtenbergs – in Maria Regina Martyrum, an einem würdigen Ort, doch in der Peripherie, oder in der umgestalteten St. Hedwigs Kathedrale, zwar im Zentrum, doch in einer schwer zugänglichen Krypta?

 

Werner J. Kohl, Dipl.-Ing. Architekt,

ViSdP für die Initiative „Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale“