Protest gegen Umbau der Hedwigskathedrale im TV

Die rbb-Abendschau am 09.01.2019 berichtet über den Prozess am Verwaltungsgericht Berlin gegen den Bescheid des Bezirksamts Mitte


Anmoderation _Sascha Hingst:

"Die Heilige Hedwig wird sich vermutlich im Grabe rumdrehen in Niederschlesien, immerhin gilt sie als Patronin der Versöhnung. Allerdings der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen

… und nicht der Versöhnung unter zankenden Berliner Katholiken. Letztere aber streiten und zwar ausgerechnet um St. Hedwig, die Kathedrale, die dieser Heiligen geweiht ist."


Bericht des rbb_offline:

Im historischen Herzen der Stadt: die St. Hedwigs-Kathedrale – Sitz des katholischen Bischofs von Berlin.

Ein Gotteshaus, das derzeit nicht versöhnt, sondern entzweit.


Wegen Umbaus ist die Kirche geschlossen.

Wütende Gläubige klagen an:


Hier ist eine Anmerkung des Autors der Mitschrift geboten:

Eigentlich verkündet die Kirche Botschaften, die sich nicht beweisen lassen, aber geglaubt werden.

Hier plakatiert das von Erzbischof Koch geleitete Erzbistum Berlin nachweisbar die Unwahrheit.

Es findet überhaupt kein Umbau statt, dennoch ist die Kathedrale seit Monaten geschlossen. Gläubigen und Gästen wird der Zugang zur Kirche und das Beten an traditionsreichem Ort grundlos verwehrt.

Um mit Veränderungen an der denkmalgeschützten Innenraumgestaltung ohne Baugenehmigung beginnen zu können, wurde die Kathedrale allein aus propagandistischen Zwecken geschlossen.

Dem RBB wurde von offiziellen Vertretern des Erzbistums die Wahrheit offensichtlich vorenthalten.

Werner J. Kohl _„Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale“ (Dipl.-Ing. Architekt)

"Der Bischof hat der Hedwigsgemeinde die Kirche entrissen und tut damit, was er will. Er spricht nicht mit den Gemeinden, und er belügt die Gemeinden, indem er vorher sagt – wir machen nur das, was liturgisch nötig ist, …"

Anmerkung des Autors der Mitschrift:

Die Initiative "Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale", auf die Prof. Dr. Adrian von Buttlar verweist, fordert die Berliner Bistumsleitung seit 2015 zu Transparenz und zum Umdenken auf.


Adrian von Buttlar _TU Berlin (ehem. Lehrstuhlinhaber am Institut für Kunstgeschichte und historische Urbanistik und Dekan der Fakultät I der Geisteswissenschaften der TU Berlin)

"… Es geht darum, das denkmalrechtlich hier ein wirklicher Skandal passiert, indem ein hochkarätiges Denkmal ohne hinreichenden Grund von der Katholischen Kirche jetzt zerstört wird und damit wird auch über die Biographien all derer, die in diesem Freundeskreis hier versammelt sind, die aus Ostberlin stammen, Ostberliner Katholiken seit vielen Jahren, einfach wie mit einer Dampfwalze hinweggegangen."

Anmerkung des Autors der Mitschrift:

Prof. i.R. Dr. Adrian von Buttlar –

langjähriger Vorsitzender des Landesdenkmalrats Berlin und derzeit wissenschaftlicher Beirat der Wüstenrot Stiftung Ludwigsburg –

wandte sich in einem Offenen Brief an Erzbischof Koch gegen die Umgestaltungsplanung der Hedwigskathedrale Berlin, den mehr als 100 Fachexperten (davon 60 Hochschullehrer) aus sieben Ländern unterzeichneten.


Bericht des rbb_offline:

Im 18. Jahrhundert gebaut, …

… im zweiten Weltkrieg teilweise zerstört …


Anmerkung des Autors der Mitschrift:

Was durch die Katastrophe des II. Weltkriegs mit der Hedwigskathedrale geschah, will nun der Erzbischof von Berlin ohne liturgische Notwendigkeit dem glücklich wiederaufgebauten Gotteshaus antun. Die unnötige radikale Umgestaltung des Innenraums würde die zentrale katholische Kirche für viele Jahre schließen und wieder zum Steinbruch werden lassen, was Dutzende Millionen Euro verschlingen wird. Eine Kostenexplosion ist im unsicheren Baugrund und Grundwasser Berlins zu erwarten.  Die Rechnung zahlt nicht die Kirche ganz Deutschlands allein, sondern jeder Steuerzahler wird zur Kasse gebeten wegen der enormen Zuschüsse des Bundes und des Landes Berlin. – Das Bild der Ruine sollte mahnen und zu Protest aufrufen.

… und schließlich bis 1963, trotz kalten Krieges und eisernen Vorhangs … 

gemeinsam von Ost- und Westarchitekten und -künstlern wieder aufgebaut. 



Seither gibt es das sogenannte „Ostloch“ im Boden mit Treppe in die Unterkirche.

Bei der letzten Christmette war es bereits provisorisch geschlossen. Weil es beim Gottesdienst Priester und Gläubige voneinander getrennt habe, heißt es.

Das „Ostloch“ nun von den Kirchenchefs weggeplant.

Anmerkung des Autors der Mitschrift:

Mit der als "provisorisch" deklarierten Schließung der Confessio zum Grab des Seligen Bernhard Lichtenberg sollte zur bundesweit gesendeten Christmette die Umgestaltung gezeigt werden: Eine Propagandaveranstaltung für den Umbau. Dafür wurde Bauordnungsrecht missachtet und die Behörden nahmen ihre Aufgaben nicht wahr, weil Kirche und Politik es ausgekugelt hatten.

Da es keine prüfbare Planung gibt und noch keine Sanierung erfolgt, sollten die "provisorischen", reversiblen Maßnahmen nun zurückgebaut und die Kathedrale wieder geöffnet werden.


Stefan Förner _Erzbischöfliches Ordinariat (Pressesprecher):

"Als Kirche erhalten wir unsere Denkmäler nicht dadurch, dass wir Museen daraus machen, dass wir darin Gottesdienst feiern, dass wir darin beten, dass wir Leute einladen, dort das zu erleben, was wir dort für wichtig halten. und dafür ist die umgestaltete Fassung nach unserer Überzeugung besser geeignet."

Anmerkung des Autors der Mitschrift:

Im Hintergrund des offiziellen Sprechers des Berliner Erzbischofs Koch ist die Kathedrale mit der dort plakatierten Unwahrheit zu sehen:

"Sankt Hedwig wegen Umbau geschlossen".

Der Sprecher des Bistums vermittelt ein krudes Verständnis von Denkmalschutz, das die Kirchenverantwortlichen bei ihrem Bruch mit anerkanntem Kulturerbe zu leiten scheint. 

Wen meint der Sprecher mit "WIR"? Außer Koch, Kollig, Przytarski und Förner findet sich kaum jemand, der im Vatikan, bei Theologen, Liturgiewissenschaftlern und Katholiken in Deutschland Gründe für einen radikalen Umbau der baulich intakten, liturgisch korrekten und traditionsreichen Kathedrale vorbringen würde.


Bericht des rbb_offline:

Ein Kirchenumbau indes, ohne Segen des Architekten und der am Wiederaufbau beteiligten Künstler. … 

… Künstler und Hinterbliebene sehen ihre Rechte verletzt und klagen gegen die Denkmalschutzbehörde, die den Umbau genehmigt hat. Grund: Die Idee des Architekten werde hintertrieben.


Die Verbindung zwischen den Gläubigen oben und den Gräbern der von Nazis ermordeten katholischen Märtyrer in der Unterkirche.

… Nun werde, so ein Klagevertreter wörtlich „das Ostloch vom rheinischen Katholizismus zugewalzt.“  Ein Fall, der Emotionen schürt.


Lothar C. Poll _Anwalt

(sichtlich bewegt)

"Der Architekt hat es geschafft, die Gemeinden in West- wie in Ostdeutschland dafür zu begeistern. Nämlich, wir lebten ja damals mitten im kalten Krieg und gleichwohl ist dieses Gebäude, eben so wie es ist, erstellt worden."

 

Christian Braun _Anwalt

(zur Besonderheit der St. Hedwigs-Kathedrale:)

"Dass das Ding weltweit einmalig ist, das sagen auch alle Denkmalfachleute, und das hier im Prinzip umzugestalten in eine, wenn man die Pläne jetzt anschaut, möchte mal etwas pointiert sagen, beliebige Veranstaltungsarena, das schmerzt den Künstler sehr."


Bericht des rbb_offline:

Problem, so das Verwaltungsgericht, staatlicher Denkmalschutz schütze nur die Interessen der Allgemeinheit, nicht die einzelner Künstler oder Architekten. …

… Die Klage deshalb abgewiesen.

(Markus Rau,

Richter am Verwaltungsgericht Berlin)


Die Mitschrift des am 09.01.2019  19:30 Uhr im rbb-Fernsehen gesendeten Beitrags der Abendschau (mit den eingefügten Anmerkungen) wurde von Werner J. Kohl erstellt, dem Sprecher der Initiative "Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale", die sich für den Erhalt des wertvollen Kulturerbes einsetzt und den von der Leitung des Erzbistums Berlin geplanten radikalen Umbau der Kathedrale ablehnt. Deren Arbeit findet bei einer Vielzahl von Katholiken Zustimmung und wird mehrheitlich von Fachexperten unterstützt.